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Gothic (Kultur)

Die Gothic-Kultur ist eine vielseitige Subkultur, die ab Anfang der 1980er Jahre stufenweise aus dem Punk- und New-Wave-Umfeld hervor ging und sich aus mehreren Splitterkulturen zusammensetzt. Sie existierte in den 1980er und 1990er Jahren im Rahmen der Dark-Wave-Bewegung und bildete bis zur Jahrtausendwende den Knotenpunkt der so genannten Schwarzen Szene.

Die Anhänger der Gothic-Kultur werden länderübergreifend als Goths bezeichnet, obgleich diese Bezeichnung innerhalb der Szene eher selten Anwendung findet bzw. bei vielen Szene-Anhängern gar auf Ablehnung stößt und häufig hinterfragt wird. Gründe hierfür finden sich insbesondere in der Wahrung der eigenen Individualität.

Namensherkunft

Goth(ic) (eigtl. „gotisch“, hier im Sinne von „düster, schaurig“) fand Ende der 1970er für einen Stil der Rockmusik aus dem Post-Punk-Umfeld Verwendung und wurde ab 1982/1983 auf die Anhänger der dazu entstehenden Jugendkultur übertragen. Die Bezeichnung ist dabei nicht – wie so oft vermutet – an das Volk der Goten, an das Zeitalter der Gotik oder an die Gothic Novels angelehnt, sondern geht grundsätzlich auf einen in England entstandenen Musikstil zurück, der aufgrund seines dunklen und dumpfen Klanges und seiner verwendeten Themen als „schaurig“ empfunden wurde. Demgemäß existierte zwischen der Gothic-Szene und der Gotik- bzw. Neogotik-Epoche kein direkter Bezug, wie er in den nachfolgenden Jahrzehnten hauptsächlich von Außenstehenden fehlinterpretiert wurde.

Im deutschen Sprachraum nutzte man gleichzeitig Bezeichnungen wie „Gruftis“ oder szene-übergreifend „Schwarze“ oder „Waver“, da sich Gothic in den 1980ern weder als Genrebegriff noch als Bezeichnung für eine Subkultur über britische Grenzen hinaus weitläufig etablieren konnte. In Kanada und den USA geschah dies erst um etwa 1988, im mitteleuropäischen Raum zu Beginn der 1990er.

Grufti galt in Teilen Deutschlands lange Zeit als negativ besetzte Bezeichnung, die später von den Szenemitgliedern jedoch zunehmend als saloppe Selbstbezeichnung verwendet wurde. Gegenwärtig wird der Begriff Grufti im deutschen Sprachraum für die Gothic-Generationen der 1980er und frühen 1990er Jahre genutzt, die musikalisch und outfitmäßig noch stark in der Post-Punk- und Wave-Epoche verhaftet waren. Konträr dazu wurde er jedoch größtenteils aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verdrängt.

Ferner waren in der DDR und Teilen Berlins Bezeichnungen wie Ghouls, Outs oder Darks geläufig, letztere Bezeichnung findet sich auch in Ländern wie Italien oder Mexiko wieder. In einigen Gebieten Deutschlands, wie Nordrhein-Westfalen, war zudem die Selbsttitulierung Krähen geläufig, was annähernd der Bezeichnung les corbeaux („die Raben“) entspricht, die französische Gothic- und Wave-Anhänger in den 1980ern für sich nutzten und die sich auf deren Erscheinungsbild bezog.

Goth, in seiner Mehrzahl Goths genannt, hat sich bis heute in vielen Teilen der Welt etabliert, in Deutschland ist daneben die grammatikalisch inkorrekte Bezeichnung Gothics verbreitet.

Die Szene

Über den Umfang der Gothic-Bewegung ist bisher wenig bekannt. Eine Marktstudie aus den späten 1990er Jahren geht, hinsichtlich der Szene in Deutschland, von etwa 60.000 Anhängern aus, obgleich diese Zahl als unrealistisch gilt, da sie neben der tatsächlichen Gothic-Kultur auch Teile der gesamten Schwarzen Szene und zahlreiche Sympathisanten mit einbezieht. Auch ein Wachstum der Gothic-Szene in den letzten 5 bis 10 Jahren, das um die Jahrtausendwende mehrmals prognostiziert wurde, wird hierbei szeneintern stark angezweifelt. Stattdessen wird seit Ende der 1990er Jahre ein sukzessiver Rückgang angenommen, der einer Regression der Gothic-Musik zugrunde liegt.

Die Gothic-Szene gilt als ästhetisch orientierte Subkultur, deren Mitglieder als friedlich, aber auch als wirklichkeitsfremd, unnahbar oder elitär wahrgenommen werden.

Die Durchschnittsbevölkerung wird von Teilen der Gothic-Kultur negativ kritisiert, etwa als konservativ, konsumorientiert, intolerant, egoistisch und vom Gesetz der sozialen Bewährtheit geleitet. Aus der Ablehnung dieser Eigenschaften resultiert eine demonstrative Distanzierung zur Gesellschaft. Aus dem Versuch der Bewältigung der Zwänge, der emotionalen Kälte und der Vereinheitlichung des Individuums in der heutigen Gesellschaft, treten wiederum die zelebrierte Melancholie und die Ideale des Individualismus hervor.

Einige Goths bevorzugen – ihrer Rückzugsintention entsprechend – Orte der Stille, Einsamkeit und Besinnung auf, die häufig eine Atmosphäre von Tod, Trauer, Leid, Frieden und Vergänglichkeit ausstrahlen. Dennoch ist die Gothic-Szene keine Trauerkultur. So gibt es etliche Goths, die sich primär an dunklen, mystischen oder okkulten Dingen erfreuen und versuchen, diese Seite ihrer Persönlichkeit auszuleben.

Die Akzeptanz des Todes als natürlichen Bestandteil des Lebens wird häufig nach außen getragen. Vereinzelt lässt sich jedoch ein Hang zur Existenzphilosophie erkennen, die auch die Erkenntis über die Vergänglichkeit und die damit assoziierte Sinnlosigkeit des Lebens impliziert, aus der sich wiederum negative Gemütszustände wie Gleichgültigkeit, Resignation oder Todessehnsucht entwickeln können.

Religiöse und politische Fragen werden unter Goths durchaus thematisiert, allerdings nicht einheitlich beantwortet.

Eine gewisse Sehnsucht nach dem Mittelalter und seinen Mythen und Sagen ist bei einigen Szenemitgliedern anzutreffen. Dabei handelt es sich jedoch häufig um ein romantisiertes Bild des Mittelalters, das häufig eine Flucht vor der realen Welt ermöglichen soll. Doch auch andere Epochen, wie beispielsweise die Elisabethanische und Viktorianische Epoche, die Gründerzeit sowie das Fin de siècle, ziehen das Interesse der Gothic-Kultur auf sich.

Viele Goths behalten ihren Lebensstil oder die damit verbundenen Vorlieben (u. a. für Musik und Kleidungsstil) weit bis ins Erwachsenenalter bei. Im Unterschied zu klassischen Jugendkulturen entsteht so ein altersübergreifender Dialog.

Religion

Die Zugehörigkeit einer Person zur Gothic-Kultur ist unabhängig von Glauben und Religionszugehörigkeit. Goths beschäftigen sich in Grundzügen mit dem Thema Religion und ziehen individuelle Schlüsse, weshalb auch hierbei eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist. Einige Teile der Szene lehnen die Institution Kirche, beispielsweise aufgrund ihrer Kritik an deren Verfehlungen im Laufe der Geschichte, allerdings völlig ab.

Bei manchen Goths herrscht eine Sehnsucht nach den Ursprüngen des Glaubens und dem Heidentum vor, das im Verlauf der Christianisierung gewaltsam zerstört wurde. Das drückt oftmals den Wunsch nach den eigenen Ursprüngen und Wurzeln aus. Es lässt sich darüber hinaus ein Interesse an okkulten oder neuheidnischen Inhalten feststellen. Damit einher geht eine Tendenz zum Synkretismus (auch „Patchwork-Religion“ genannt).

Obwohl sich etliche Anhänger der Gothic-Bewegung vom Satanismus distanzieren und ein völlig anderes Lebensgefühl auszudrücken versuchen, werden sie aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oft mit diesem in Verbindung gebracht und von Außenstehenden belächelt oder gar als potentiell gefährlich eingestuft. Häufig wird mit okkulten Symbolen, z. B. dem vorchristlichen Pentagramm oder dem Petruskreuz, zum Zwecke der Provokation gespielt. Oft ist es jedoch die in der Szene verbreitete Faszination an der Mystik, die Goths zum Tragen okkulter Symbole bewegt.

Die gesellschaftlichen Vorurteile treffen allerdings die an sich uneinheitliche Gothic-Kultur in ihrer Gesamtheit. Sie mögen gerade bei jüngeren Personen, die in diese Subkultur hineinwachsen, den Glauben verstärken, eine Ablehnung des christlichen Glaubens oder gar eine Hinwendung zum Satanismus sei Voraussetzung, um als Szeneangehöriger anerkannt zu werden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Ein kleiner Teil der Szene ist christlich geprägt. Ein Beispiel hierfür liefert der jährlich zum Wave-Gotik-Treffen stattfindende Schwarze Gottesdienst in der Peterskirche.

Politik

Eine eindeutige politische Ausrichtung der Gothic-Szene ist nicht feststellbar. Allerdings sind konservative oder rechtsgerichtete Ideologien seltener anzutreffen. Einige Goths interessieren sich für linksalternative Politikansätze, andere wiederum vertreten gänzlich unpolitische Ansichten. Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sind der Gothic-Kultur jedoch fremd und werden konsequent abgelehnt. Dieser Umstand machte sich unter anderem in den frühen 1990er Jahren bemerkbar. Zeitschriften wie das Bonner Szene-Magazin „Gothic Press“ wiesen 1992 auf die Gefahr des Rechtsextremismus' hin und sprachen sich klar gegen rechtsextreme Gewalt aus. Gleichzeitig distanzierte sich jedoch ein Großteil der Szene von jeglichen politischen Ideologien und sah Aktionen gegen Rechtsradikalismus und Rassenhass als selbstverständlich an.

Einfluss auf die Kunst

Die Gothic-Kultur hat verschiedene Künstler beeinflusst – nicht nur Musiker, sondern auch Maler, Fotografen und Schriftsteller. Allen gemein ist die Hinwendung zu mystischen, morbiden und romantischen Themen. Dabei wird relativ wahlfrei auf Stilmittel unterschiedlicher Epochen zurückgegriffen, vor allem auf die deutsche und englische Romantik. So facettenreich sich die Gothic-Kultur präsentiert, so vielseitig erscheinen auch die von ihr beeinflussten Kunstformen: In der Fotografie und Malerei reicht das Spektrum von unaufdringlichen Portraits über erotische Aufnahmen bis hin zu Darstellungen von Märchen- und Göttergestalten. In der Literatur dominieren die Genres Poesie, Horror und Fantasy. Präsent ist zudem die Vorliebe für dunkle Farben und Stimmungen, ähnlich den Gothic Novels, den Präraffaeliten oder den Malern des Jugendstils.

Zu den der Gothic-Kultur nahe stehenden Fotografen zählen: Viona Ielegems aus Belgien; Anni Bertram und Gerd Lehmann aus Deutschland; Stéphane Lord aus Kanada; Nadja Lev aus den USA; Simon Marsden aus England und Lord Heathcliff aus Frankreich. Unter den Zeichnern sind vor allem Rachel Huntington, Gerald Brom, Nene Thomas, Luis Royo, Victoria Francés, Dave McKean, Myka Jelina sowie der amerikanische Comic-Künstler James O’Barr zu nennen.

Autoren, die ausschließlich für die Gothic-Szene schreiben, sind selten und wenn, dann auch kaum bekannt, da der Käuferkreis für „schwarze“ Lyrik nicht sehr groß ist. Christian von Aster gilt als szene-übergreifend bekannter Autor, der mit einigen Kurzgeschichten und Satiren einen Teil der Goths direkt anspricht und dort auch größere Resonanz erfährt. In Teilen der englischsprachigen Goth-Szene sehr beliebt ist die amerikanische Autorin Poppy Z. Brite.

Im Bereich des Films sind vor allem die Werke des amerikanischen Regisseurs Tim Burton zu nennen, dessen Arbeiten sich sowohl bei vielen Goths großer Beliebtheit erfreuen als auch selbst oftmals von Gothic-Ästhetik stark beeinflusst sind. Viele Künstler der frühen britischen Gothic-Bewegung waren darüber hinaus stark von Gothic-Horror-Filmen der 1960er Jahre und dem Film Noir beeinflusst. Diese Filme sind auch heute noch bei einigen Mitgliedern der Gothic-Kultur beliebt.

Bevorzugte Musikformen

Die Gothic-Kultur entstand auf der Grundlage der frühen Gothic-Musik, des so genannten Gothic Punk, umgangssprachlich auch als Batcave bezeichnet. Daneben wurde eine Vielzahl weiterer Spielarten favorisiert, die sich – abgesehen vom Death Rock – primär im Dark-Wave-Umfeld entwickelten. In den 1980er und vor allem in den 1990er Jahren starben viele dieser Genres aus und wurden schrittweise von szene-fremden Musikstilen abgelöst, sodass die Gothic-Bewegung in ihrer gegenwärtigen Form (und bis auf wenige Nischenbands) über keine eigenständige Musikszene verfügt, sondern aus der musikalischen Bandbreite der gesamten Schwarzen Szene schöpft. Diese Eigenart unterscheidet sie von anderen Subkulturen wie der Punk- oder der Metal-Szene.

Häufig präferierte Musikformen waren/sind:

* Dark Wave (einschließlich Spielarten wie Cold Wave, Neoklassik, Neue Deutsche Todeskunst sowie der traditionelle Gothic Rock)
* Death Rock, Horrorpunk
* Synthie Pop, Electro Wave, Minimal Electro
* Post-Industrial (unter anderem Dark Ambient)
* Mittelalterliche Musik (teils auf historisch informierter Aufführungspraxis beruhend)

Tanzstile

In der frühen Gothic-Szene war der Pogo als Tanzstil weit verbreitet. Dieser wurde direkt aus dem Punk-Umfeld übernommen und konnte mit dem Batcave-Revival nach der Jahrtausendwende wieder Bedeutung erlangen. Daneben war in den 1980ern bei den Gruftis der so genannte „Totengräber“ prävalent, auch als „Nord-Süd-Kurs“ oder „Staubsaugertanz“ bezeichnet. Hierbei bewegt sich der Tänzer drei Schritte vor, beugt seinen Oberkörper – nach links oder rechts geneigt – nach unten und bewegt sich mit ebenso vielen Schritten zurück zum Ausgangspunkt. Dadurch entsteht häufig der Eindruck, der Tänzer würde auf der Tanzfläche ein Grab schaufeln.

Beide Tanzformen, der Pogo wie auch der „Totengräbertanz“, werden ohne Rücksicht auf den Rhythmus der Musik ausgeführt.

Wohnraumgestaltung

Da der Wohnraum allgemein auch als Wohlfühl- und Rückzugsort genutzt wird, spielt bei vielen Goths insbesondere die Wohnraumgestaltung eine wesentliche Rolle. In den 1980er Jahren war es üblich, die Wände und Zimmerdecken mit zumeist schwarz gefärbten Stoffen und Tüchern auszuschmücken und mit Accessoires wie Rosenkränze, Kreuze, Plastikrosen oder Grabscherpen zu dekorieren. Auch die Zimmereinrichtung bestand häufig aus schwarzen Möbeln und Gegenständen wie Kerzenleuchtern, Grableuchten oder Totenschädeln, wodurch der Wohnraum oft eine friedhofsnahe Atmosphäre vermittelte.

Nachdem sich die Gothic-Szene im Verlauf der 1990er Jahre aus dem Status als Jugendkultur herauslöste, verschwanden diese – heute als klischeehaft geltenden – Formen der Wohnraumgestaltung allmählich und wurden durch weniger makabere Gestaltungsformen abgelöst, die beispielsweise dem Barock- oder dem Romantik-Stil nachempfunden wurden.

Verhältnis zu anderen Subkulturen

Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet Teile der Gothic-Szene mit der Punk- und Psychobilly-Kultur. Ein Grund hierfür findet sich vor allem in den musikalischen Vorlieben, die sich diese Subkulturen teilen (The Cramps, Alien Sex Fiend, Fliehende Stürme). Seit Mitte der 1980er gibt es zudem Beziehungen zur Industrial- und Rivethead-Kultur. Demgegenüber kam es häufiger zu Konflikten mit Anhängern der EBM-Szene, die sich abseits der Schwarzen Szene entwickelte und sich mit der weltschmerz-behafteten Mentalität und dem androgynen Erscheinungsbild, das in Teilen der Gothic-Kultur vorherrscht, nicht anfreunden konnte.

Als eines der größten Feindbilder der Gothic-Kultur galt lange Zeit die Metal-Szene. Dieser Feindseligkeit, die von beiden Subkulturen ausging, wirkten in den 1990er Jahren hauptsächlich Künstler aus dem musikalischen Umfeld, wie Secret Discovery, Paradise Lost, Dreadful Shadows oder − ganz gezielt – Das Ich in Zusammenarbeit mit der Metal-Formation Atrocity, entgegen. Die damit einsetzende Öffnung und zunehmende Verschmelzung beider Subkulturen wird jedoch nicht einheitlich befürwortet und stößt bei einigen Splitterkulturen und traditionell ausgerichteten Vertretern der Gothic-Kultur auf Ablehnung.

Darstellung der Gothic-Szene in den Medien

Das negative Image, das der Gothic-Szene anhaftet, wurde und wird zu einem Großteil durch die kommerziellen Medien aber auch durch die Szene selbst geprägt. Berichte über Satanismus, Grabschändungen oder schwarze Messen bilden den Inhalt zahlreicher Publikationen und nehmen starken Einfluss auf die Betrachtungsweise der Bevölkerung. Viele dieser Berichte, deren Inhalt über zwei Dekaden hinweg nahezu unverändert übernommen und vervielfältigt wurde, repräsentieren das Bild einer aufmüpfigen Jugendszene, die es bezüglich ihrer Geisteshaltung und Lebensart gar nicht mehr gibt. Tatsächlich kam es in den 1980er Jahren in Teilen der Grufti-Szene vereinzelt zu Friedhofsvandalismus, dem die spätere Gothic-Bewegung jedoch ablehnend gegenübersteht. Dazu zählten unter anderem das Umstoßen von Grabsteinen oder das Entwenden von Grabschmuck wie Kränzen, Grableuchten, Vasen oder Kruzifixen, die als Dekoration für die eigene Wohnstätte dienten. Dahinter standen vermutlich weniger religiöse Beweggründe als jugendliche Unbekümmertheit und der Nervenkitzel beim Spiel mit Tabus. Zudem symbolisierten die gesammelten Gegenstände die unmittelbare Nähe zum Tod, die zur damaligen Zeit noch eine zentrale Stellung einnahm. Die Sorg- und Reuelosigkeit vieler jugendlicher Gruftis wirft dabei selbst Jahrzehnte später noch einen Schatten auf die gesamte Gothic-Szene. Das kontinuierliche Aufgreifen derartiger Geschehnisse durch die kommerziellen Medien begründet sich überdies längst nicht mehr in der Absicht einer seriösen Berichterstattung, sondern zielt überwiegend auf die Sensationsgier der Durchschnittsbevölkerung ab, die in den alten Delikten ihre Vorurteile gegenüber der heutigen Gothic-Kultur bestätigt sieht.

Abseits der kommerziell ausgerichteten Medien finden sich vereinzelt Berichte und Selbstdarstellungen der 1980er Jahre auch in den frühen Ausgaben der Zeitschrift Zillo wieder, in denen – neben „Séancen auf den Gräbern der Toten“ – die Zerstörung von Grabsteinen, die Flucht aus der Realität mittels Konsum von Drogen sowie die zunehmende Aufspaltung in jugendkulturelle Cliquen angesprochen werden.

Vorläufer und vergleichbare Bewegungen

Romantik

Im englischen Sprachraum wurde der Begriff „Gothic“ erstmals in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verwendet. Vor allem die so genannten Gothic Novels mit schaurigen Handlungsplätzen wie Friedhöfen, Spukschlössern, Ruinen und anderen Orten erfreuten sich großer Beliebtheit. Der große Erfolg dieser „Gothic Novels“ im Rahmen der aufkommenden Romantik-Bewegung und speziell der Dekadenz-Literatur im 18. und 19. Jahrhundert war auch eine Gegenreaktion auf die rationale entmystifizierende Sicht des Naturalismus und der Aufklärung. Ähnliche Motivationen liegen den verschiedenen Reformbewegungen (wie z. B. Wandervogel, FKK-Bewegung) Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zugrunde, die sich gegen die Technisierung und Industrialisierung der Lebensumwelt wandten. Im Rückzug in eine idealisierte naturgemäße bzw. menschlichere Lebensweise findet sich sowohl bei den Romantikern und Lebensreformern als auch bei Anhängern der Gothic-Kultur eine Tendenz zur Weltflucht.

New Romantic

New Romantic, eigtl. New Romanticism, war eine jugendkulturelle Szene, die sich Ende der 1970er Jahre im Umfeld der New-Wave-Bewegung als Reaktion auf den Punk entwickelte. Die Anhänger dieser Szene, die New Romantics oder auch Blitz Kids (benannt nach dem Nachtclub „The Blitz“ in London, der als Ursprung dieser Jugendkultur gilt), fielen vor allem durch ihr ungewöhnliches Outfit, bestehend aus klassischen Uniformteilen, Hüten (Zweispitz und Dreimaster), Harlekinkostümen und indianischen Schmuckgegenständen, sowie extrem aufgetragenem Make-up und bizarren Haarstilen auf, mit dem sie sich bewusst von dem als schmuddelig empfundenen Punk-Look abzugrenzen versuchten.

Musikalisch bewegten sich die New Romantics zwischen New Wave, Funk und Glam Rock, bevor szene-eigene Bands wie Spandau Ballet, Visage, Classix Nouveaux oder Culture Club ins Rampenlicht traten und die Bewegung auch außerhalb Englands bekannt machten.

Inwieweit New Romantic die Gothic-Kultur in ihrer Entwicklung beeinflusste, ist unklar. Nachdem die New-Romantic-Bewegung kurz vor Mitte der 1980er Jahre abflaute, ging ein Teil dieser Jugendkultur nahtlos in die Schwarze Szene über, wodurch diverse Kleidungs- und Haarstile in die spätere Gothic- und Wave-Szene Einzug hielten (z. B. Rüschenhemden, Abendkleider, Gehstöcke, etc.).

Entwicklung der Szene

Ursprung

Die Gothic-Szene entstand ab den frühen 1980er Jahren als musikkulturelle Jugendszene. Dabei entwickelten sich zunächst kleinere, regionale Gruppierungen (Cliquen), die in der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung Westeuropas verwurzelt waren, untereinander jedoch kaum Kontakt hielten. Speziell in den Großstädten standen sich viele dieser Jugendcliquen infolge von Generationskonflikten feindlich gesinnt gegenüber.

Bereits in der Entstehungsphase der britischen Gothic-Szene galt die erste Welle der Gothic-Musik ca. 1984 als erloschen. Wichtige Vertreter wie Bauhaus, UK Decay oder Specimen wandelten ihren musikalischen Stil oder gingen getrennte Wege. Diese Gegebenheit schlug sich bald auf die englische Regionalszene nieder, die schon ab der Mitte der 1980er Jahre erste Verfallserscheinungen zeigte. War die Gothic-Bewegung in England folglich eine Mode-Erscheinung unter vielen, so konnte sie im restlichen Europa, insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, Fuß fassen.

Die Frisuren und Kleidungsstile der Goths waren zu dieser Zeit noch stark an das Outfit der Punk-Bewegung angelehnt oder wurden häufig von den musikalischen Leitfiguren übernommen. Renommierte Künstler wie Robert Smith (The Cure), Siouxsie Sioux (Siouxsie & The Banshees), Rozz Williams (Christian Death), Johnny Slut (Specimen) oder Peter Murphy (Bauhaus) waren lange Zeit Idole der Gothic-Kultur und dienten hierbei als Vorbild. Als weiterer Einflussfaktor gelten die regionalen Unterschiede bezüglich der Umwelt- und Lebensbedingungen und einem damit verbundenen Lebensgefühl. In Gebieten, die vorrangig durch Industrie geprägt waren, herrschte vielmehr ein punk-lastiger Kleidungsstil vor. In Regionen, in denen ein historischer Architekturstil dominierte, fühlte sich ein Teil der Goths hingegen von Epochen vergangener Tage inspiriert. So entwickelten sich beispielsweise im süddeutschen Raum schnell Kleidungsstile, die sich an der Zeit der Renaissance oder des Barock orientierten. Diese Stile werden häufig auch als Einfluss der New-Romantic-Bewegung gedeutet, eine New-Wave-Teilkultur, die einige Jahre vor Entfaltung der Gothic-Bewegung in London ihren Ausgangspunkt nahm und sich fallweise mit dieser überschnitt.

Durch das Ableben der noch stark vom Punk geprägten Musik der Anfangszeit (siehe Gothic Punk) und mit Entstehung des psychedelic- und hard-rock-beeinflussten Gothic Rock, folgte ab der Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre eine zweite Gothic-Welle. Führende Musiker dieser Ära, insbesondere Andrew Eldritch (The Sisters of Mercy) und Carl McCoy (Fields of the Nephilim), beeinflussten die Mode einer neuen Generation von Goths nachhaltig, wenngleich der für die frühe Gothic-Kultur charakteristische Punk- und Wave-Look weiterhin dominierte.

Weiterentwicklung

In den frühen 1990er Jahren erlebte die deutsche Independent-Szene einen kleinen Aufschwung, durch das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland wuchs das Interesse an Musik. Es erfolgte ein Austausch zwischen zwei Kulturen und verschiedene Newcomer-Bands und Plattenfirmen konnten sich innerhalb der nunmehr gesamtdeutschen Wave- und Gothic-Bewegung etablieren.

Erste Treffen wurden arrangiert, so zum Beispiel das Waver-Treffen am 16. Juni 1990 in Köln, das Wave-Gotik-Treffen am 29. und 30. Mai 1992 in Leipzig oder auch das Gothic-Treffen am 6. August 1992 in Berlin. Zahlreiche Musikmagazine, wie das Glasnost Wave-Magazin, Zillo, Sub Line oder Gothic Press, etablierten sich auf dem deutschen Markt. Speziell das Zillo avancierte zum bedeutenden Medium der gesamten Independent-Kultur. Hier erfolgte die regionenübergreifende Kommunikation über einen Kleinanzeigenmarkt. Auf der Basis dieser Austauschmöglichkeiten wuchs mit der Zeit eine Großkultur heran, bei der man erstmals von einer landesweit ausgeprägten Gothic-Szene sprechen konnte.

In dieser Zeit stieg die Nachfrage nach Musik aus dem Neoklassik- und Mittelalter-Umfeld. Musikprojekte und Ensembles wie Dead Can Dance, Qntal oder Estampie genossen einen hohen Stellenwert. Mit Herausbildung der Neuen Deutschen Todeskunst gewann zunehmend die deutsche Sprache in den Clubs an Popularität. Diese Entwicklung bestärkte erneut weite Teile der heranwachsenden Gothic-Kultur hinsichtlich des Kleidungs- und Lebensstils.

In Verbindung mit der Neuen Deutschen Todeskunst trat erstmals auch die Splitterkultur der „Endzeitromantiker“, heute „Schwarzromantiker“ genannt, in Erscheinung. Diese formierten sich vor allem mit der Intention, die punk-beeinflusste Grufti-Bewegung der 1980er Jahre abzulösen und repräsentierten damit die bereits aus der New-Romantic-Szene vertraute ablehnende Haltung gegenüber der Punk-Bewegung und deren Einfluss auf die Popkultur.

Zusammen mit den Gothic-Punks (auch als „Batcaver“ bezeichnet) bilden sie gegenwärtig die Mehrheit in der Gothic-Kultur.

Versuch der Kommerzialisierung

Ab dem Ende der 1990er Jahre setzte der Versuch der Kommerzialisierung ein, der in seiner Ausprägung jedoch nicht die Gothic-Kultur und deren Musik selbst erfasste. Einzig die Bezeichnung „Gothic“ wurde dabei – ohne jegliche Berücksichtigung ihrer ursprünglichen Bedeutung – als Vermarktungsetikett aufgegriffen und auf vergleichbare und vollkommen unabhängige kulturelle Strömungen und Musikformen ausgedehnt. Diese Entwicklung begann insbesondere mit dem Hype um gothic-untypische Musikgruppen wie HIM, Nightwish, Cradle of Filth, Rammstein oder Marilyn Manson, die von den Medien häufig mit der Gothic-Kultur in Verbindung gebracht werden, und gipfelte später in dem Versuch der Musikindustrie, Retorten-Bands wie Nu Pagadi als Gothic-Acts zu vermarkten.

Obgleich die auf der Grundlage dieser Kommerzialisierungsform neu entstandenen Jugend- und Fan-Kulturen zumeist von Außenstehenden der Gothic-Szene zugerechnet werden, handelt es sich dabei jedoch um Parallelbewegungen, denen der Bezug zur Gothic-Bewegung fehlt.

Gruftis in der DDR

Gruftis im öffentlichen Leben

Die Grufti-Kultur in der Deutschen Demokratischen Republik entwickelte sich etwa gleichzeitig zur westdeutschen Szene. Von der Mitte der 1980er Jahre bis kurz vor der Wende zählte das Ministerium für Staatssicherheit mehr als 600 Gruftis innerhalb der DDR, 150 davon allein in Ost-Berlin. Weitere Zentren waren Cottbus, Frankfurt/Oder, Leipzig, Potsdam oder Halle an der Saale. In die zumeist regional organisierten Jugend-Cliquen wurden zirka 36 Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi zur Bespitzelung eingeschleust, auf jede Clique kam somit ungefähr ein IM.

Insbesondere in Kleinstädten herrschten hingegen weniger homogene Strukturen vor. Hier vermischten sich Gruftis mit Punks, Skins oder den New Romantics. Dabei wurden viele Jugendliche staatlich verfolgt, Treffen wurden häufig durch die Volkspolizei aufgelöst und als Bandenbildung aktenkundig vermerkt, Platzverweise und Innenstadtverbote blieben keine Seltenheit. Dieser Umstand machte einen Austausch zwischen den Anhängern der ostdeutschen Wave- und Gothic-Bewegung nur erschwert möglich. Auch von den Schulen wurde massiv Druck ausgeübt. Dies äußerte sich besonders durch die leistungsunabhängige Vergabe schlechter Noten oder durch das Verbot, höhere Schulabschlüsse wie Abitur zu belegen. Mithilfe dieser Maßnahmen wurden viele Gruftis, deren Wunsch nach individueller Entfaltung als Angriff auf das politische System fehlgedeutet wurde, aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und daran gehindert, einem angemessenen Berufsleben nachzugehen.

„Ich hatte viel Ärger zu der Zeit. Ich habe das nie verstanden, wenn die auf mich zukamen und Druck machten wegen meines Aussehens. Dass ich damit politisch irgendwo anstoße, war mir überhaupt nicht bewusst, das war auch nicht mein Zweck. Das hatte sich dann erst entwickelt, irgend wann aus Trotz heraus, als ich merkte, dass das System, an das ich glaubte, Treue von der Haarfrisur abhängig machte. (Pfeffi, 29 Jahre, Kartograph)“

Musik und Mode

Musikkollektionen beschränkten sich in der Regel auf Magnetbandkassetten (ORWO-Kassetten), deren Aufnahmen überwiegend in schlechter Qualität von Radio mitgeschnitten wurden. Als ein bedeutendes Medium galt hierbei die Sendung „Parocktikum“, die in der zweiten Hälfte der 1980er vom Jugendradio DT64 ausgestrahlt wurde. Mithilfe dieser Radiosendung erlangten Bands wie Joy Division, The Cure, Alien Sex Fiend, Bauhaus, Einstürzende Neubauten, Cocteau Twins, The Smiths, Dead Can Dance, Clan Of Xymox, Marquee Moon und viele andere im Osten Deutschlands schnell Bekanntheit. Dessen ungeachtet blieb die Anzahl landeseigener Wave- und Gothic-Bands gering. Kultstatus erreichten lediglich Rosengarten aus Salzwedel und Die Art aus Leipzig. Eine der Hauptursachen hierfür war der beständige Mangel an peiswerten und leistungsfähigen Instrumenten:

„Synthie-Bands gab es nur sehr wenige. Spitzentechnik aus dem Westen war sehr teuer, eine Gitarrre konnte man sich gerade noch leisten. Synthesizer aus der DDR-Produktion konnte man gleich in die Mülltonne schmeißen. Vermutlich gab es deswegen überwiegend Gitarrenbands. (Thomas Böttcher & Jens-Uwe Helmstedt, Musiker)“

Seltener waren Schallplatten und Kaufkassetten, die über Polen, Ungarn oder die BRD in die „Zone“ gelangten. Für Alben von Depeche Mode, The Cure oder Bauhaus zahlte man in der DDR nicht selten überhöhte Preise. Andererseits wurden einige Veröffentlichungen vom Plattenlabel Amiga (VEB Deutsche Schallplatten) verlegt. Diese Tonträger waren angesichts ihrer geringen Stückzahlen und infolge der hohen Nachfrage jedoch schon unmittelbar nach Erscheinen vergriffen und wurden nachfolgend als Sammlerstücke gehandelt.

In Bezug auf die Mode ließ man der Kreativität oftmals freien Lauf, da viele Kleidungselemente des Grufti-Looks in herkömmlichen Kaufhäusern nicht erhältlich waren. Hauptsächlich aus der Not heraus wurden viele Gegenstände aus dem alltäglichen Leben zweckentfremdet. So wurden unter anderem Gewänder aus kostengünstigem Fahnenstoff geschneidert oder Metallzugketten von Toilettenspülungen zu tragbarem Schmuck verarbeitet. Für Nietengürtel- und armbänder erwiesen sich vor allem die Dornen von Spikes als optimal.

Veranstaltungen

Obwohl in den Jahren 1985 bis 1988 zahlreiche Treffen von der Staatsgewalt unterbunden wurden, schafften es die Anhänger der ostdeutschen Szene dennoch, spontan und illegal private Feten zu organisieren. Größere Veranstaltungen, wie sie in Berlin (Silvesterfeste 1987/1988) und Dresden stattfanden, waren hingegen selten. Ein Schlüsselereignis in der Geschichte der ostdeutschen Wave- und Grufti-Bewegung war die Walpurgisnacht 1988. In Potsdam auf der ehemaligen Schlossruine Belvedere auf dem Pfingstberg trafen sich – nach anfangs 20 Leuten – etwa 150 Schwarze aus der gesamten Republik. Der zunächst ungestörte Ablauf dieser Zusammenkunft wurde jedoch von den Ordnungskräften des damaligen DDR-Regimes beendet.

Am 4. und 5. August 1990 fanden in Leipzig und Dresden die beiden ersten und einzigen Konzerte von The Cure im ostdeutschen Raum statt. Mehrere tausend Festivalbesucher aus Ost und West wohnten den mehrstündigen Konzerten friedlich bei. Die Aufführung in Leipzig wurde im September desselben Jahres vom Deutschen Fernsehfunk übertragen, allein bei diesem Konzert schwanken die Angaben zur Besucherzahl zwischen 5.000 und 10.000.

Abschwung und Auftrieb

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erlebte die ostdeutsche Szene einen rasanten Abschwung. Zahlreiche Gruftis und Waver wanderten aufgrund fehlender Zukunftsperspektiven in die alten Bundesländer ab. Weitere Teile der Bewegung wandten sich infolge ansteigender sozialer Missstände und politischer Orientierungslosigkeit der Neuen Rechten oder gar der Neonazi-Szene zu. Gleichzeitig wuchs eine neue Generation von Gruftis heran und initiierte einen kulturellen Auftrieb auf gesamtdeutscher Ebene.

Erscheinungsbilder

Ein zentrales Merkmal der Gothic-Kultur ist das Styling, das von vielen Anhängern als Ausdrucks- und Abgrenzungsform eingesetzt wird. Goths, die ihre Lebenseinstellung durch ihr Erscheinungsbild auszudrücken versuchen, bevorzugen allgemein die Farbe Schwarz. Aber auch Blau, Weiß oder Bordeaux-Rot sind vorzufindende Haar- bzw. Kleiderfarben. In Anlehnung an die Wurzeln im Punk werden Strumpfhosen oder Netzhemden absichtlich mit Rissen oder Löchern versehen. Ebenso erinnern manche Frisuren an die Punk- und Wave-Kultur der 1980er Jahre.

Die Bekleidungsstrategie der frühen Gothic-Szene zeigte sich jedoch nicht wie bei den Punks als Ästhetisierung des Hässlichen oder bei den New Romantics als Revivaln des Glamourösen vergangener Zeiten, sondern als Inszenierung des Horrors. [29] Besonders bei den Gruftis galt es lange Zeit als modisch, die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins gezielt durch ein totenähnliches Auftreten zu versinnbildlichen. Der romantische Aspekt, wie ihn die heutige Gothic-Generation kennt, spielte dabei zunächst nur eine nebensächliche Rolle.

Viele Goths grenzen sich allerdings auch bewusst vom Erscheinungsbild der Punk-Kultur ab. Elemente aus Kleidungsstilen der Renaissance sind ebenso präsent wie ein an das Viktorianische Zeitalter oder an den Jugendstil angelehntes Outfit. Dabei sind die jeweiligen Kleidungsstile jedoch nur selten in reiner Form anzutreffen. In der Regel handelt es sich um einzelne Kleidungskomponenten unterschiedlicher Epochen, die eklektisch miteinander kombiniert werden. Gelegentlich werden neben dem damit verbundenen Kleideraufwand auch hohe Kosten in Kauf genommen, um sich beispielsweise ein stilechtes Rokoko-Kostüm schneidern zu lassen. Einige dieser Kleidungsformen werden als Relikt der New-Romantic-Szene angesehen, andererseits gelten die Helden romantischer Vampirfilme als modische Vorbilder.

Daneben sind vereinzelt auch Kleidungselemente aus der Rock-Szene, wie Lederjacken, Ledermäntel, Bikerhosen und Boots, beliebt, die seit den späten 1980ern den Weg in die Gothic-Szene fanden.

Markante Merkmale können sein

* Blasse, meist geschminkte Gesichtsfarbe (Leichenblässe oder Viktorianische Ästhetik), häufig hervorgehoben durch dunkle Schminke an Augen und Mund
* Bemalungen (Akzentuierung der Wangenknochen und insbesondere Ornamente um Augen und Mund), Piercings sowie Tätowierungen
* Ungewöhnliche Frisuren: Irokesenschnitt (seitlich ausrasierte Haare), Undercut (zusätzlich Hinterkopf), teilweise sehr hoch toupiert, meist schwarz oder auffällig gefärbt. Teilweise eine Seite des Schädels kahl rasiert oder zu „Barock“-Frisuren frisiert. Sehr häufig sind auch (gerade bei eher mittelalterlich orientierten bzw. Gothic Rock präferierenden Goths) überschulterlange Haare zu beobachten.
* Religiöse, okkulte oder esoterische Symbole als Schmuck, fast ausschließlich aus Silber
* Armreifen en masse (Einfluss der Wave-Mode), Nieten, Sicherheitsnadeln, Schnallen und Glöckchen
* Androgyn gekleidete Männer (und aufgrund der Verwurzelung im Wave auch androgyn gekleidete Frauen)
* Lederhosen und Netzhemden, teils zerrissene Kleidung (urtypischer Gothic-Punk- bzw. Death-Rock-Look)
* „Aladinhosen“, Pikes, Doc Martens oder Creepers (Grufti-Look)
* Rüschenhemden, Talare, Dolmane (Husarenjacke) und Uniformjacken des 18. und 19. Jahrhunderts, Brautkleider, Kleider aus Samt und Chiffon (New-Romantic-, Romantik- und Endzeitromantik-Stil, teils auch mittelalterlich oder viktorianisch)
* Hennins und Hexenhüte (vor allem in den frühen 1990ern populär)
* Lederhosen und -Jacken (Gothic-Rock-Stil)
* Korsetts und Corsagen bei Frauen (seit den 1990ern), häufig in Kombination mit weiten Reifröcken
* Herrenröcke, Schnürstiefel (Rangers, Getta Grips, Commanders)

Diese Liste bietet nur eine kurze Übersicht über die Vielfalt der Stile, die in der Gothic-Szene verbreitet sind. Für eine genaue Stilbeschreibung gibt es zu viele Kleidungskombinationen, die auch das Sampling von Kleidungselementen szene-fremder Subkulturen, wie der Rivethead-Kultur oder der Elektro-Szene, mit einschließen. Zudem kann ein Goth auch infolge beruflicher Zwänge optisch nicht auf Anhieb der Gothic-Bewegung zugeordnet werden.

Begegnungsräume

Events

Ein „Event“ ist die in der Schwarzen Szene verbreitete Bezeichnung für eine Diskothekenveranstaltung. Reine Gothic-Events gab es bis in die späten 1990er Jahre hinein kaum. Diese wurden zumeist in Form von „Independent-Feten“ veranstaltet, das Publikum setzte sich zunächst aus Anhängern unterschiedlicher Subkulturen wie Punks, Wavern, EBM- und Elektro-Fans, seltener aus Anhängern der Post-Industrial-Kultur oder der Crossover-Szene, zusammen. Diese vielseitigen Independent-Veranstaltungen waren notwendig, da sich ein Event für nur eine Musik- und Szene-Richtung aufgrund der anfallenden Kosten nur schwer verwirklichen ließ. In den 1990ern verschwandt ein Teil des Publikums aus den Clubs, vor allem Punks, Waver und Anhänger der EBM- und Crossover-Szene. Während dieser Zeit teilten sich Goths mit anderen Mitgliedern der Schwarzen Szene sowie der Elektro-Szene die Tanzfläche.

Ab den späten 1990er Jahren wandelte sich das Publikum drastisch. Das äußerte sich besonders durch den enormen Zulauf von Anhängern der Metal-Szene, vor allem aber der Techno-Kultur, deren Mitglieder nach dem Abebben der Techno-Welle vermehrt in die Schwarze Szene abwanderten. Ein Grund hierfür ist die Präsenz technoid geformter (u. a. Future Pop) oder metallastiger (u. a. Dark Metal) Klänge, die immer mehr das Veranstaltungsprogramm der Schwarzen Szene prägen.

Dieser Umstand beschleunigte die Herausbildung der szenefremden Cyberkultur, die gegenwärtig das Hauptpublikum in den Tanzclubs bildet, und führte dazu, dass sich zahlreiche Goths von den herkömmlichen Events abwandten und eigene Veranstaltungen organisierten, die sich nun – unter anderem unterstützt durch das Batcave-Revival – durch die Größe des Gothic-Publikums rentierten. In vielen Großstädten werden in so genannten Großraumdiskotheken mittlerweile auch getrennte Floors angeboten, die auf die Wünsche des Publikums zugeschnitten sind.

Festivals

Wesentliche Anlaufpunkte für die Gothic-Kultur bilde(te)n das:

* Amphi Festival
* Bizarre-Festival
* Castle Party
* M'era Luna Festival
* Wave-Gotik-Treffen
* Woodstage Summer Open Air
* Zillo Festival

Keine dieser Veranstaltungen wurde ausschließlich für die Gothic-Szene konzipiert. Sie werden jedoch häufig von Vertretern der Gothic-Kultur aufgesucht. Insbesondere das WGT deckt durch ein vielseitiges Angebot das Interesse der gesamten Schwarzen Szene ab. Das Zillo Festival lockte zudem zahlreiche Anhänger anderer Independent-Kulturen (beispielsweise Punk) an. Das Publikum zeigte sich in Folge dessen weniger homogen.

Friedhöfe

Ein weiterer bedeutsamer – wenn auch umstrittener – Treffpunkt und Aufenthaltsort für Goths ist der Friedhof. In den 1980er Jahren wurde der Friedhof hauptsächlich aufgrund jugendlicher Abenteuerlust aufgesucht. Schon zu Beginn der 1990er wich der Nervenkitzel an den nächtlichen Besuchen einer Faszination an der Ästhetik alter Gräber. So avancierte der Friedhof zu einem beliebten Besuchsziel mit ruhiger, romantischer und mystischer Ausstrahlung. Damit knüpfen viele Goths an die Gepflogenheiten zur Zeit der Romantik an. Im 19. Jahrhundert waren Friedhöfe nicht nur einfache Begräbnisstätten und Sammelstellen für Leichname, sondern öffentlich und häufig besuchte Plätze, die von ihren Besuchern als Orte der Meditation und mentalen Sammlung aufgesucht wurden.

Mit bestem Dank an: www.wikipedia.de

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